Überall in Deutschland muss man mit Zecken rechnen. Wann es gefährlich wird und wie Sie sich gegen Zeckenstiche schützen können.
Milde Winter, warme Sommer, neue Zeckenarten: Warum Zecken in Deutschland immer mehr zum Thema werden – und wie Sie sich gut schützen.
Zecken gehören für viele zum Sommer wie Sonnencreme und Mückenspray. Doch inzwischen sind sie längst nicht mehr nur ein Problem bei Ausflügen in den Wald. Auch im Garten, im Park oder auf dem Spielplatz können die kleinen Blutsauger auf Menschen warten. Der Grund: Milde Winter und warme Monate sorgen dafür, dass Zecken länger aktiv bleiben. Dazu kommt, dass sich inzwischen sogar neue Arten in Deutschland zeigen, etwa die tropische Riesenzecke Hyalomma. Das klingt erst einmal beunruhigend. Die gute Nachricht ist aber: Wer weiß, worauf es ankommt, kann sich sehr gut schützen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Zecken heute ernster genommen werden sollten, welche Krankheiten sie übertragen können und was Ihre Apotheke ganz praktisch für Ihren Schutz tun kann.
Wie Ihre Apotheke hilft
In Ihrer Apotheke erhalten Sie nicht nur Zeckenkarten, Pinzetten oder geeignete Desinfektionsmittel. Auch bei der Auswahl eines passenden Repellents kann die Beratung helfen. Das gilt besonders für Familien mit Kindern, für ältere Menschen oder für Reisende.
Zecken sind heute fast überall ein Thema
Viele Menschen denken bei Zecken zuerst an Waldwege, dichtes Gebüsch und hohe Wiesen. Das stimmt zwar, aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Zecken leben nicht nur im Wald. Sie kommen auch in Parks, an Wegrändern, auf Wiesen und sogar im eigenen Garten vor. Entscheidend ist, dass es dort feucht genug ist und Pflanzen vorhanden sind, an denen sie auf einen Wirt warten können.
Das macht Zecken zu einem Alltagsproblem. Schon ein kurzer Spaziergang mit dem Hund, Gartenarbeit oder ein Picknick im Grünen reichen aus, um mit ihnen in Kontakt zu kommen. Besonders tückisch ist, dass man einen Zeckenstich oft gar nicht sofort bemerkt. Zecken sind klein, ihr Stich tut meist nicht weh und sie suchen sich gerne Körperstellen, die man nicht sofort sieht. Typisch sind Kniekehlen, Leisten, Achseln, der Haaransatz oder die Haut hinter den Ohren.
Warum der Klimawandel Zecken hilft
Dass der Klimawandel auch mit Zecken zu tun hat, klingt zunächst überraschend. Tatsächlich spielt das Wetter aber eine große Rolle für die Tiere. Zecken mögen es nicht zu kalt, aber auch nicht zu trocken. Milde Winter helfen ihnen beim Überleben. Wenn es früher warm wird und der Herbst länger mild bleibt, verlängert sich ihre aktive Zeit.
Für uns heißt das: Die Zeit, in der man sich vor Zecken schützen sollte, wird ebenfalls länger. Es gibt heute nicht mehr nur ein paar klassische Zeckenmonate. An warmen Tagen können die Tiere auch im Spätherbst oder sogar an einzelnen Wintertagen aktiv sein.
Ganz so einfach wie „mehr Wärme gleich mehr Zecken“ ist es aber nicht. Sehr trockene und heiße Sommer können Zecken in manchen Regionen auch zusetzen. Trotzdem gilt insgesamt: Durch veränderte Temperaturen und längere milde Phasen steigt das Risiko, mit Zecken in Kontakt zu kommen. Zudem können sich Arten ausbreiten, die früher bei uns kaum eine Rolle gespielt haben.
Die häufigste Gefahr: Borreliose
Borreliose ist die häufigste Krankheit, die in Deutschland durch Zecken übertragen wird. Die Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst, die Borrelien. Sie kommen in ganz Deutschland vor und ist nicht auf bestimmte Risikogebiete beschränkt (wie bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME). Borreliose kann also grundsätzlich überall in Deutschland eine Rolle spielen.
Aber nicht jede Zecke trägt Borrelien in sich. Und selbst wenn eine Zecke infiziert ist, bedeutet das noch nicht automatisch, dass der Mensch danach krank wird. Trotzdem sollte man das Thema ernst nehmen. Denn Borreliose wird oft erst spät bemerkt.
Ein typisches erstes Zeichen ist die sogenannte Wanderröte. Dabei entsteht rund um die Stichstelle eine Rötung, die sich nach und nach ausbreitet. Sie sieht oft ringförmig aus. Diese Rötung kann Tage oder auch Wochen nach dem Stich auftreten. Manche Betroffene fühlen sich zusätzlich krank, bekommen Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen oder sind ungewöhnlich müde.
Bleibt eine Borreliose unbehandelt, kann sie auch Nerven, Gelenke oder in seltenen Fällen das Herz betreffen. Die gute Nachricht: Wenn sie rechtzeitig erkannt wird, lässt sie sich meist gut mit Antibiotika behandeln. Genau deshalb ist es so wichtig, nach einem Zeckenstich nicht nur die Zecke zu entfernen, sondern die Stelle in den folgenden Tagen und Wochen im Blick zu behalten.
Kurzprofil Borreliose
Erreger: Borrelien-Bakterien
Ansteckung: Zecken mit Borreliose-Erregern gibt es überall in Deutschland. Ungefähr 30 Prozent aller heimischen Zecken tragen die Borrelien-Bakterien in sich. Je länger die Zecke saugt, umso höher die Infektionsgefahr.
Symptome: Mindestens 5 Zentimeter große ringförmige Hautrötung um die Einstichstelle (Wanderröte), grippeartige Symptome oder Gelenkschmerzen, aber auch eher unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Fieber.
Mögliche Spätfolgen: chronische Entzündungen an Gelenken und Haut, aber auch Schädigungen am Gehirn und an den Nerven, die sich in Lähmungen, Empfindungsstörungen und Nervenschmerzen äußern.
Behandlung: Antibiotika
FSME – seltener, aber auch gefährlicher
Neben Borreliose fällt im Zusammenhang mit Zecken fast immer ein zweiter Begriff: Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Hinter dem komplizierten Namen steckt eine Virusinfektion, die das Nervensystem betreffen kann.
FSME ist in Deutschland seltener als Borreliose, aber sie kann schwer verlaufen. Besonders problematisch ist: Gegen FSME gibt es keine ursächliche Behandlung wie ein Antibiotikum. Man kann nur die Beschwerden behandeln. Deshalb ist Vorbeugung hier besonders wichtig.
FSME kommt nicht überall in Deutschland gleich häufig vor. Es gibt bestimmte Risikogebiete, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und in Teilen weiterer Bundesländer. Wer dort lebt, Urlaub macht oder viel draußen unterwegs ist, sollte das Thema unbedingt ernst nehmen. Ob auch Ihr Wohnort oder Ihr nächstes Reiseziel in einem FSME-Risikogebiet liegt, können Sie auf den Verbreitungskarten für Deutschland und Europa nachschauen.
Die Erkrankung verläuft oft in zwei Phasen. Zuerst fühlen sich Betroffene manchmal wie bei einer Grippe: mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Nach einer kurzen Besserung kann bei einem Teil der Erkrankten eine zweite Phase folgen. Dann kann es zu Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks kommen. Das ist der Grund, warum FSME so ernst genommen wird.
Wichtig zu wissen: Anders als bei Borreliose kann das Virus sehr früh beim Stich übertragen werden. Deshalb ist es zwar immer sinnvoll, eine Zecke schnell zu entfernen – bei FSME schützt das allein aber nicht zuverlässig.
Kurzprofil FSME
Erreger: FSME-Virus
Ansteckung: Bis zu 5 Prozent aller Zecken in Deutschland tragen die FSME-Viren. Sie sind hauptsächlich im süddeutschen Raum vertreten, die FSME-Risikogebiete dehnen sich jedoch seit Jahren immer weiter aus.
Symptome: Häufig symptomfrei (ca. 70 bis 95 Prozent der Infizierten)
Phase 1: Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen und Durchfall. Bei zwei Drittel der Patienten endet die Erkrankung mit dem Rückgang des Fiebers.
Phase 2: Hirnhautentzündung (Meningitis) mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit. Bei schwerem Verlauf kommt es zu Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Krampfanfällen. Die meisten Betroffenen erholen sich wieder vollständig, bei 10 bis 29 Prozent der Patienten halten die Symptome länger an, auch mit Todesfolge. Bei Kindern verläuft die FSME-Erkrankung in der Regel weniger schwer als bei Erwachsenen.
Behandlung: Keine Therapie, nur Symptombekämpfung
Impfen kann vor FSME schützen
Der beste Schutz gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis ist die Impfung. Sie wird Menschen empfohlen, die in einem Risikogebiet wohnen oder sich dort regelmäßig draußen aufhalten. Das betrifft nicht nur Förster oder Landwirte. Auch wer gerne wandert, Rad fährt, joggt, campt oder viel im Garten arbeitet, kann dazugehören.
Viele Menschen unterschätzen dieses Risiko, weil sie nicht „beruflich draußen“ sind. Für Zecken spielt das aber keine Rolle. Wer oft im Grünen ist, kommt leichter mit ihnen in Berührung.
Neue Gefahr? Die tropische Riesenzecke Hyalomma
In den letzten Jahren ist immer öfter von einer neuen Zeckenart die Rede: Hyalomma. Diese Zecke ist deutlich größer als viele heimische Arten und fällt dadurch eher auf. Sie stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen, etwa aus Afrika, Asien und Südeuropa.
Dass Hyalomma inzwischen in Deutschland gefunden wurde, ist kein Gerücht, sondern gut dokumentiert. Wahrscheinlich wird sie unter anderem durch Zugvögel eingeschleppt. Wenn die Bedingungen günstig sind, kann sie sich auch hier entwickeln. Wärmere Temperaturen helfen dabei.
Für viele Menschen klingt das erst einmal alarmierend. Wichtig ist aber eine sachliche Einordnung: Hyalomma ist bisher in Deutschland kein Massenphänomen. Sie ist nicht die typische Zecke, die man im Alltag am häufigsten trifft. Trotzdem zeigt ihr Auftreten, dass sich durch den Klimawandel etwas verändert.
Besonders auffällig an Hyalomma ist, dass sie aktiver nach einem Wirt suchen kann als heimische Zecken. Manche Menschen berichten deshalb, dass diese Tiere „auf sie zulaufen“. Das wirkt natürlich bedrohlich.
Auch bei den möglichen Krankheiten ist Vorsicht angebracht. Hyalomma kann in anderen Ländern gefährliche Erreger übertragen. In Deutschland wurde in diesen Zecken bisher vor allem ein Bakterium nachgewiesen, das ein Zeckenbissfieber auslösen kann. Das sehr gefährliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus wurde in Deutschland in diesen Zecken bisher nicht nachgewiesen. Das bedeutet: kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, das Thema aufmerksam zu verfolgen.
So schützen Sie sich im Alltag
Die beste Nachricht bei all dem: Gegen Zecken kann man im Alltag einiges tun. Und zwar ohne großen Aufwand.
Schon die Kleidung macht einen Unterschied. Wenn Sie durch hohes Gras, Unterholz oder Wiesen gehen, sind lange Hosen und feste Schuhe sinnvoll. Helle Kleidung hilft zusätzlich, weil man Zecken darauf schneller sieht. In besonders zeckenreichen Gebieten kann es sinnvoll sein, die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Das ist vielleicht nicht modisch, aber praktisch.
Auch Repellentien, also Insektenschutzmittel, können helfen. Sie halten Zecken nicht immer sicher fern, senken aber das Risiko. Wichtig ist nur, realistisch zu bleiben: Ein Spray ersetzt nicht das Absuchen des Körpers.
Genau dieses Absuchen ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Nach einem Aufenthalt im Grünen sollte man sich selbst, Kinder und auch Haustiere gründlich kontrollieren. Besonders genau sollte man auf warme und geschützte Körperstellen achten: Kniekehlen, Leisten, Achseln, Bauchfalten, Hals, Haaransatz und die Haut hinter den Ohren.
Wer draußen unterwegs war, sollte außerdem die Kleidung ausschütteln oder waschen. Manchmal krabbelt eine Zecke zunächst nur auf der Kleidung und hat noch gar nicht zugestochen.
Was tun nach einem Zeckenstich?
Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie möglichst schnell entfernt werden. Dafür eignen sich eine feine Pinzette, eine Zeckenkarte oder ein Zeckenhaken. Solche Hilfsmittel gibt es in der Apotheke.
Wichtig ist, die Zecke möglichst nah an der Haut zu greifen und dann langsam gerade herauszuziehen. Sie sollte nicht gequetscht werden. Hausmittel wie Öl, Klebstoff, Alkohol oder Nagellack sind keine gute Idee. Sie helfen nicht, sondern können im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Zecke mehr Erreger abgibt.
Nach dem Entfernen sollte die Stelle desinfiziert werden. Sinnvoll ist es auch, sich das Datum zu notieren oder die Hautstelle mit dem Handy zu fotografieren. So lässt sich später besser erkennen, ob sich etwas verändert.
Bleiben kleine Reste in der Haut zurück, ist das nicht immer dramatisch. Häufig stößt der Körper diese von selbst ab. Wenn sich die Stelle entzündet oder Beschwerden auftreten, sollte sie ärztlich angesehen werden.
Besonders wichtig ist: Beobachten Sie die Haut in den nächsten Tagen und Wochen. Eine zunehmende Rötung, Fieber, starke Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder neurologische Beschwerden sind Warnzeichen. Dann sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.
Zecken kurz & knapp
Zecken sind in Deutschland heute ein größeres Thema als noch vor einigen Jahren. Milde Winter und warme Sommer sorgen dafür, dass die Tiere länger aktiv sind. Gleichzeitig zeigt das Auftreten neuer Arten wie Hyalomma, dass sich auch bei uns etwas verändert. Für Apothekenkundinnen und -kunden ist vor allem wichtig: Zecken gibt es nicht nur im Wald, sondern auch im Alltag – im Park, im Garten oder auf der Wiese.
Die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit ist Borreliose. Sie kann in ganz Deutschland vorkommen und sollte früh erkannt werden. Frühsommer-Meningoenzephalitis, also FSME, ist seltener, kann aber schwer verlaufen. Wer in einem Risikogebiet lebt oder viel draußen unterwegs ist, sollte seinen Impfschutz prüfen lassen.
Der wirksamste Schutz ist eine Kombination aus Aufmerksamkeit und Vorsorge: passende Kleidung, Insektenschutzmittel, gründliches Absuchen nach dem Aufenthalt im Grünen, das richtige Entfernen einer Zecke und – wenn nötig – eine aktuelle FSME-Impfung.
Genau hier ist Ihre Stern Apotheke ein starker Partner. Bei uns erhalten Sie praktische Hilfsmittel, verständliche Beratung und Unterstützung beim Impfcheck. Damit Sie immer auf der sicheren Seite sind.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Zecken
Kann ich mir auch im eigenen Garten eine Zecke holen?
Ja. Zecken kommen nicht nur im Wald vor, sondern auch im Garten, im Park und an Wegrändern.
Schützt die FSME-Impfung auch vor Borreliose?
Nein. Die Impfung schützt nur vor Frühsommer-Meningoenzephalitis, also FSME, nicht vor Borreliose.
Muss ich nach jedem Zeckenstich zum Arzt?
Nein. Aber Sie sollten die Stichstelle beobachten. Wenn sich eine Wanderröte entwickelt oder Beschwerden wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Wann sollte eine Zecke entfernt werden?
Am besten sofort, sobald sie entdeckt wird. Je schneller sie entfernt wird, desto besser.
Sind große Zecken automatisch gefährlicher?
Nicht unbedingt. Auch kleine Zecken können Krankheitserreger übertragen. Die Größe allein sagt nichts über das Risiko aus.
Gut vorbereitet
Legen Sie sich für Frühling und Sommer ein kleines Zecken-Set zu Hause an. Dazu gehören eine Zeckenkarte oder feine Pinzette, ein Hautdesinfektionsmittel und ein wasserfester Stift, um die Stichstelle zu markieren. So sind Sie im Fall der Fälle sofort vorbereitet und müssen nicht erst suchen.
Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der Stern Apotheke in Dachau . Stand 04/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.
Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der Stern Apotheke in Dachau vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.
Dr.
Stefan Müller,